Elektrische Gefahren, Störlichtbogenrisiken und Sicherheit bei Notfalleinsätzen verstehenElektrische Sicherheit
Feuerwehrleute, medizinisches Notfallpersonal, Rettungsteams, Polizeibeamte, Einsatzteams von Energieversorgern und industrielle Einsatzkräfte betreten regelmäßig Umgebungen, in denen elektrische Gefahren vorhanden sein können.
Anders als Elektriker und Beschäftigte von Energieversorgern, die im Allgemeinen wissen, dass sie eine unter Spannung stehende Umgebung betreten, treffen Einsatzkräfte oft mit begrenzten Informationen und sich schnell verändernden Bedingungen ein. Verkehrsunfälle, Gebäudebrände, Sturmschäden, Industrieunfälle, Batterienotfälle und heruntergerissene Stromleitungen können Einsatzkräfte elektrischen verborgenen Gefahrenaussetzen.
Elektrische Vorfälle können schnell eskalieren und einen Rettungseinsatz in eine lebensbedrohliche Situation für Opfer und Einsatzkräfte verwandeln.
Dieser Leitfaden bietet einen Überblick über elektrische Gefahren, denen Einsatzkräfte häufig begegnen, und beschreibt bewährte Vorgehensweisen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit während Notfalleinsätzen.
Warum elektrische Sicherheit für Einsatzkräfte wichtig ist
Elektrische Gefahren sind oft unsichtbar.
Anders als Feuer, Rauch oder der Einsturz von Gebäuden kann Elektrizität weder gesehen noch gerochen oder gehört werden, bevor es zu einem Vorfall kommt.
Viele Einsatzorte enthalten unter Spannung stehende Systeme, die nicht sofort erkennbar sind.
Beispiele sind:
- Heruntergefallene Stromleitungen
- Beschädigte Anlagen von Energieversorgern
- Fahrzeugkollisionen mit Energieinfrastruktur
- Elektrofahrzeuge
- Hybridfahrzeuge
- Batteriespeichersysteme (BESS)
- Solaranlagen
- Industrielle elektrische Anlagen
- Baustellen
- Überflutete Gebäude
- Generatorsysteme
Einsatzkräfte, die elektrische Gefahren nicht erkennen, können selbst zu Opfern werden.
Elektrische Gefahren verstehen
Stromschlag
Ein Stromschlag tritt auf, wenn Strom durch den Körper fließt.
Mögliche Folgen umfassen:
- Muskelkontraktionen
- Atemstillstand
- Herzstillstand
- Verbrennungen
- Tödlicher Stromschlag
Selbst relativ niedrige Spannungen können unter den richtigen Bedingungen gefährlich sein.
Störlichtbogen
Ein Störlichtbogen entsteht, wenn elektrischer Strom seinen vorgesehenen Weg verlässt und sich durch die Luft bewegt.
Störlichtbogenereignisse können Temperaturen von über folgenden Werten erzeugen:
Mögliche Verletzungen umfassen:
- Schwere Verbrennungen
- Blindheit
- Hörschäden
- Lungenverletzungen
- Tödliches Trauma
Einsatzkräfte müssen keinen Leiter berühren, um durch einen Lichtbogenüberschlag verletzt zu werden. Weitere Informationen zu Gefahren durch Lichtbogenüberschläge, Ursachen von Vorfällen, Anforderungen an persönliche Schutzausrüstung und sicheren Arbeitspraktiken finden Sie in unserem Leitfaden zum Bewusstsein für Lichtbogenüberschläge für Einsatzkräfte.
Lichtbogenexplosion
Lichtbogenexplosionen erzeugen häufig explosive Druckwellen.
Lichtbogenexplosionen können:
- Opfer und Einsatzkräfte fortschleudern
- Metallfragmente wegschleudern
- Das Gehör schädigen
- Sekundärverletzungen verursachen
Schritt- und Berührungsspannung
Eine heruntergefallene Stromleitung kann den umliegenden Boden unter Spannung setzen.
Einsatzkräfte können verletzt werden, selbst wenn sie den Draht nicht berühren.
Schrittspannung
Tritt auf, wenn zwischen den Füßen einer Person Spannungsunterschiede bestehen.
Berührungsspannung
Tritt auf, wenn eine Person einen unter Spannung stehenden Gegenstand berührt und dabei auf dem Boden steht.
Diese Gefahren treten besonders häufig in der Nähe von Folgendem auf:
- Heruntergefallene Stromleitungen
- Versorgungsmasten
- Transformatoren
- Umspannwerke
Sicherheit bei heruntergefallenen Stromleitungen
Eine der häufigsten elektrischen Notlagen, mit denen Einsatzkräfte konfrontiert werden, sind heruntergefallene Stromleitungen.
Gehen Sie davon aus, dass alle heruntergefallenen Leitungen unter Spannung stehen.
Gehen Sie niemals davon aus, dass eine Leitung sicher ist, weil:
- Sie sprüht keine Funken
- Sie scheint inaktiv zu sein
- Der Strom ist in der Umgebung ausgefallen
- Ein Zeuge behauptet, die Leitung sei spannungsfrei
Sperrbereiche einrichten
Halten Sie sichere Abstände ein.
Verhindern:
- Zugang für Fußgänger
- Zugang zum Fahrzeug
- Unnötiges Betreten durch Personal
Nur das Personal des Versorgungsunternehmens sollte die Spannungsfreiheit bestätigen.
Fahrzeugunfälle mit Stromleitungen
Wenn ein Fahrzeug unter Spannung stehende Ausrüstung eines Versorgungsunternehmens berührt:
Insassen sollten sich grundsätzlich im Fahrzeug aufhalten
Das Fahrzeug kann vorübergehend Schutz bieten.
Ausnahmen sind:
- Brand
- Unmittelbar lebensbedrohliche Zustände
Falls eine Evakuierung erforderlich ist:
- Springen Sie weg, ohne Fahrzeug und Boden gleichzeitig zu berühren
- Mit beiden Füßen gleichzeitig landen
- Seitwärts gehen und dabei die Füße eng beieinander halten
Diese Verfahren tragen dazu bei, die Exposition gegenüber Schrittspannungen zu verringern. Zusätzliche Hinweise zu Vorfällen im Zusammenhang mit Versorgungsnetzen finden Sie in unserem Leitfaden für Rettungsausrüstung bei Versorgungsunternehmen.
Sicherheit von Einsatzkräften im Umfeld von Elektrofahrzeugen
Vorfälle mit Elektrofahrzeugen werden immer häufiger.
Moderne Batteriesysteme von Elektrofahrzeugen arbeiten typischerweise im Bereich von:
Einige Systeme überschreiten diese Spannungen.
Gefahren bei EV-Kollisionen
Einsatzkräfte sollten Folgendes beachten:
- Beschädigte Hochspannungskabel
- Freiliegende Leiter
- Beschädigung des Batteriefachs
- Potenzial für thermisches Durchgehen
- Verzögerte Brandgefahr
Identifizierung von Hochspannungskomponenten
Die meisten EV-Hersteller verwenden:
um Hochspannungskreise zu identifizieren.
Behandeln Sie alle beschädigten orangefarbenen Kabel als spannungsführend.
Maßnahmen bei EV-Bränden
Brände von EV-Batterien unterscheiden sich erheblich von herkömmlichen Fahrzeugbränden.
Zu den Eigenschaften gehören:
- Hohe Wärmeabgabe
- Möglichkeit der Wiederentzündung
- Lange Brenndauer
- Bildung giftiger Gase
Befolgen Sie, sofern verfügbar, stets die Verfahren der Abteilung und die Anweisungen des Herstellers.
Bewusstsein für thermisches Durchgehen
Thermisches Durchgehen tritt auf, wenn Batteriezellen in einen sich selbst erhaltenden Überhitzungszustand geraten.
Warnzeichen können sein:
- Rauch
- Zischende Geräusche
- Knallgeräusche
- Übermäßige Hitze
- Aufblähung
- Chemische Gerüche
Bei Verdacht auf thermisches Durchgehen:
- Absperrbereiche erweitern
- Kontinuierlich überwachen
- Einsatzstellenprotokolle befolgen
- Mit Fachkräften für Gefahrstoffe koordinieren
Elektrische Sicherheit bei Gebäudebränden
Elektrische Anlagen stehen bei Bränden in Gebäuden häufig weiterhin unter Spannung.
Zu den möglichen Gefahren gehören:
- Beschädigte Verkabelung
- Leiter am Hausanschluss
- Solaranlagen
- Notstromgeneratoren
- Batteriespeichersysteme
Koordination mit dem Versorgungsunternehmen
Versorgungsunternehmen sollten benachrichtigt werden, sobald elektrische Gefahren möglich sind.
Mitarbeiter von Versorgungsunternehmen können:
- Stromkreise isolieren
- Bestätigen, dass die Anlage spannungsfrei ist
- Gefahreninformationen bereitstellen
- Bei der Sicherung der Einsatzstelle unterstützen
Gefahren bei Solaranlagen
Photovoltaikanlagen stellen Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen.
Auch nachdem die Stromversorgung durch das Versorgungsunternehmen getrennt wurde:
Solaranlagen können weiterhin Strom erzeugen, sobald sie Licht ausgesetzt sind.
Zu den möglichen Gefahren gehören:
- Unter Spannung stehende Gleichstromleiter
- Erschwerter Zugang zum Dach
- Beschädigte Module
- Batteriespeichersysteme
Behandeln Sie Solarkomponenten vorsichtig, sofern ihre Sicherheit nicht bestätigt wurde.
Notfälle bei Batterie-Energiespeichersystemen (BESS)
Batterie-Energiespeichersysteme sind zunehmend verbreitet in:
- Gewerbliche Anlagen
- Versorgungsunternehmen
- Projekte im Bereich erneuerbare Energien
- Industrielle Betriebe
Zu den Gefahren gehören:
- Hochspannung
- Lichtbogenüberschlag
- Thermisches Durchgehen
- Giftige Gase
- Brandausbreitung
Einsatzkräfte sollten, sofern verfügbar, die standortspezifischen Notfallpläne befolgen.
Elektrische Notfälle in Industrieanlagen
Industrieanlagen können Folgendes enthalten:
- Schaltanlagen
- Transformatoren
- MCCs
- Hochspannungsverteilungssysteme
- Automatisierte Anlagen
Einsatzkräfte sollten elektrische Räume oder Anlagenbereiche erst betreten, wenn Gefahren ermittelt und unter Kontrolle gebracht wurden.
Rettungshaken: Was sie sind und wann sie eingesetzt werden
Rettungshaken sind spezielle Werkzeuge, mit denen Betroffene bei erforderlichem sofortigem Handeln aus dem Kontakt mit unter Spannung stehenden Geräten entfernt werden können.
Geeignete Rettungshaken sind:
- Nicht leitend
- Gut sichtbar
- Für elektrische Rettungssituationen entwickelt
Mögliche Einsatzbereiche sind:
- Störfälle bei Versorgungsunternehmen
- Industrielle Stromunfälle
- Produktionsstätten für Elektrofahrzeuge
- Produktionsumgebungen für Batterien
Wichtige Hinweise
Rettungshaken beseitigen elektrische Gefahren nicht.
Einsatzkräfte sollten:
- Dienststellenverfahren befolgen
- Eine angemessene Schulung absolvieren
- Einschränkungen der Ausrüstung verstehen
Unsachgemäße Verwendung kann zusätzliche Risiken verursachen.
Isolierte Werkzeuge für den Einsatz im Notfall
Bestimmte Notfalleinsätze können durch spannungsgeprüfte isolierte Werkzeuge unterstützt werden.
Beispiele sind:
- Isolierte Seitenschneider
- Isolierte Zangen
- Isolierte Schraubendreher
- Isolierte Steckschlüsselsysteme
- Isolierte Rettungsausrüstung
Werkzeuge, die Normen wie IEC 60900 erfüllen, bieten eine zusätzliche Schutzschicht bei Arbeiten an unter Spannung stehenden Geräten.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für elektrische Notfälle
Lichtbogengeprüfte Kleidung
Bietet Wärmeschutz bei Lichtbogenüberschlägen.
Spannungsgeprüfte Handschuhe
Bietet Schutz vor Stromschlaggefahren.
Gesichtsschutz
Schützt vor:
- Hitze
- Geschmolzenes Metall
- Herumfliegende Trümmer
Schutzhelme
Schützt Einsatzkräfte vor Aufprallgefahren und bestimmten elektrischen Gefahren.
Gehörschutz
Lichtbogenexplosionen können folgende Werte überschreiten:
Geeigneter Gehörschutz kann das Verletzungsrisiko verringern.
Ersteinschätzung eines elektrischen Notfallortes
Beim Eintreffen sollten Einsatzkräfte Folgendes beurteilen:
Stromquellen
Ermitteln:
- Versorgungsleitungen
- Generatoren
- Solaranlagen
- Batteriespeicher
- Fahrzeugbatterien
Aufenthaltsort der betroffenen Person
Feststellen, ob Betroffene weiterhin Kontakt mit unter Spannung stehenden Geräten haben.
Umgebungsbedingungen
Berücksichtigen:
- Wasser
- Wetter
- Strukturelle Schäden
- Metalloberflächen
Diese Faktoren können die elektrischen Gefahren erhöhen.
Zugangswege
Sichere Wege für Einsatzkräfte einrichten, die unter Spannung stehende Bereiche vermeiden.
Häufige Fehler bei der elektrischen Sicherheit
Annehmen, dass der Strom abgeschaltet ist
Niemals davon ausgehen.
Immer über geeignete Kanäle überprüfen.
Zu schnelles Berühren von Betroffenen
Eine betroffene Person kann weiterhin unter Spannung stehen.
Zuerst die Sicherheit am Einsatzort gewährleisten.
Ignorieren von Gefahren durch Versorgungsleitungen
Elektrische Infrastruktur kann nach Stürmen, Unfällen und Bränden weiterhin unter Spannung stehen.
Unnötiges Betreten von Isolierzonen
Zugang auf unbedingt erforderliches Personal beschränken.
Unterschätzung von Gefahren durch Elektrofahrzeuge
Elektrofahrzeuge bringen neue Risiken mit sich, die spezielles Bewusstsein und spezielle Schulungen erfordern.
Aufbau eines Programms zur elektrischen Sicherheit für Einsatzkräfte
Feuerwehren sollten Schulungen zu folgenden Themen in Betracht ziehen:
- Erkennung elektrischer Gefahren
- Maßnahmen bei heruntergerissenen Stromleitungen
- Notfälle mit Elektrofahrzeugen
- Vorfälle mit Batteriespeichern
- Bewusstsein für Störlichtbögen
- Verwendung von Rettungsausrüstung
- Koordination mit Energieversorgern
- PSA-Anforderungen
Regelmäßige Übungen und kontinuierliche Weiterbildung verbessern die Einsatzbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Kann eine heruntergerissene Stromleitung sicher sein, wenn sie keine Funken schlägt?
Nein. Gehen Sie immer davon aus, dass heruntergerissene Stromleitungen unter Spannung stehen.
Sind Elektrofahrzeuge gefährlicher als herkömmliche Fahrzeuge?
Nicht unbedingt, aber sie bergen unterschiedliche Gefahren, die eine spezielle Schulung erfordern.
Können Einsatzkräfte Störlichtbogenverletzungen erleiden, ohne einen Leiter zu berühren?
Ja. Störlichtbogenenergie kann sich durch die Luft ausbreiten.
Warum sind Hochspannungskabel in Elektrofahrzeugen orange?
Die orangefarbene Kennzeichnung wird in der gesamten Branche zur Identifizierung von Hochspannungskreisen verwendet.
Sollten Einsatzkräfte Rettungshaken mitführen?
Viele Feuerwehren, Energieversorger, Industrieanlagen und spezialisierte Rettungsteams führen Rettungshaken als Teil ihrer Ausrüstung für elektrische Notfälle mit.
Fazit
Elektrische Gefahren gehören weiterhin zu den größten Bedrohungen, denen Einsatzkräfte während Notfalleinsätzen ausgesetzt sind. Von heruntergerissenen Stromleitungen und Unfällen in der Energieversorgung bis hin zu Vorfällen mit EV-Batterien, industriellen Elektronotfällen, Solaranlagen und Batteriespeichersystemen müssen Einsatzkräfte darauf vorbereitet sein, Risiken schnell und effektiv zu erkennen und zu bewältigen.
Durch angemessene Schulung, die Beurteilung der Einsatzstelle, die Koordination mit Energieversorgern, PSA, Rettungsausrüstung, das Bewusstsein für elektrische Gefahren und die Einhaltung etablierter Verfahren können Einsatzkräfte Risiken erheblich reduzieren und gleichzeitig die von ihnen betreuten Gemeinden sicher schützen.
Da sich die Verbreitung von Elektrofahrzeugen, Anlagen für erneuerbare Energien und Batteriespeichertechnologien weiter ausdehnt, wird Wissen über elektrische Sicherheit zu einem immer wichtigeren Bestandteil moderner Einsatzmaßnahmen.
Verwandte Ressourcen
- Grundlagen der elektrischen Sicherheit für Feuerwehren
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